Half Life 3 confirmed?

Nun, wir geben zu, den Titel haben wir mit Absicht etwas provokativ gewählt. Doch mal abgesehen davon, dass dieser bösartige Geniestreich Traffic generiert stellt unser Schreiberling Kai Reh im ersten Teil unserer Kolumne eines in Frage: Seid ihr sicher das ihr ein Half Life 3 überhaupt wollt?

Half Life 3 confirmed

Kennt ihr diese Momente, in denen man aufgrund irgendeiner Kleinigkeit an etwas erinnert wird was eigentlich überhaupt nicht in die aktuelle Situation passt?

Neulich beim Einkaufen, und ich gestehe hier meine Schwäche für Kaiserschmarrn, stand ich vor dem Regal der Backmischungen. Noch drei Packungen der österreichischen Köstlichkeit übrig, und ich denke zu mir: Half Life 3 confirmed.

Nachdem ich mir erst einmal, innerlich giggelnd über die Genialität dieses Gedankenganges, bewusst gemacht habe, dass ich gerade von einer Backmischung für Bratpfannengebäck auf den hypothetischen Nachfolger eines beliebten Ego-Shooters gekommen bin kam mir die Frage: Warum ist dieses Meme so verdammt allgegenwärtig?

„Half Life 3 confirmed“ trifft man so ziemlich überall im Internet an. Wann immer die Zahl drei auftaucht ist ein mehr oder weniger guter Witz über den Nachfolger des Kultspiels eigentlich nie weit entfernt.

Aber woran liegt das?

Um hier zu des Pudels Kern zu kommen muss man die ganze Angelegenheit von mehreren Seiten aufrollen.

Zunächst einmal ein recht trivialer Aspekt: Noch kein Spiel aus dem Hause Valve hat jemals einen dritten Teil spendiert bekommen. Dies führt zu einem nicht minder populären Meme, Valve könne nicht bis drei Zählen. Ob diese Behauptung über einen Milliardenkonzern, welcher mit Steam Umsätze macht von denen die örtliche Bäckereiverkäuferin wohl nur träumen kann, stimmt soll jeder selbst beurteilen. Unbestreitbar bleibt jedoch das dieser Umstand Nährboden für allerhand sarkastische Kommentare bietet. (Es geht hier schließlich nicht nur um Half Life, so ziemlich jeder von uns will sich in einem weiteren Puzzleabenteuer von GlaDoS verhöhnen lassen, oder?)

Darüber hinaus war Half Life 2 seinerzeit ein gigantischer Hit unter Gamern. Abgesehen von der revolutionären Grafik wurde das Abenteuer um Gordon Freeman sowohl vom Ottonormalgamer als auch von internationalen Kritikern in den Pantheon der Videospiellegenden geehrt.

Der Knackpunkt: Wie wird man einem solchen Erbe gerecht?

Das wesentliche Problem an Fortsetzungen sind die Erwartungen der Spieler, welche den Vorgänger gespielt haben. Bereits Spiele wie Final Fantasy X und dessen Nachfolger X-2 hatten mit harscher Kritik unter Gamern zu kämpfen, was unter anderen auch an dem stark veränderten Leitmotiv der Story lag. Aber zwischen diesen beiden Spielen lagen gerade einmal zwei Jahre, während Half Life 2 2004 erschien. Man halte sich dies vor Augen, das ist jetzt zehn Jahre her.

Und in diesen zehn Jahren sind nicht nur wir Gamer älter geworden, nicht nur wir haben uns verändert, die Videospielindustrie selbst ist vom Zahn der Zeit nicht verschont geblieben. In einer Zeit in der ein Hollywood-Action-Kracher nach dem anderen in Abständen erscheint nach denen man die Uhr stellen kann (Ja CoD, ich schaue dich an. Genau dich.), in denen Gamer sowohl visuell als auch in der Narrative sanft am Bauch gekrault werden, wie kann das Erfolgsrezept von Half Life 2 auch heute Effektiv angewendet werden?

„Kann sich einer von euch alten Veteranen ein Half Life mit Cutscenes vorstellen, in denen wir eine zertrümmerte Freiheitsstatue vor einer Untergehenden Sonne sehen?“

Wir erinnern uns: Zwei elementare Aspekte von Half Life 2 waren zum einen die fehlenden Cutscenes, man erlebte alles was geschah immer aus der Perspektive des Hauptcharakters Gordon Freeman.

Zum anderen war besagter Hauptcharakter ein Silent Protagonist, also ein stummer Hauptcharakter der während des gesamten Spiels kein Wort über die Lippen gebracht hat, was es dem Spieler nach Intention der Entwickler ermöglichen sollte, sich in die Geschehnisse des Spiels einzufinden und besser darin eintauchen zu können.

Nun die Preisfrage: Kann sich einer von euch alten Veteranen die ihr das zwanzigste Lebensjahr bereits überschritten und Videospiele schon gespielt haben bevor die Jahrtausendwende weltweit Computer zum Absturz brachte ein Half Life mit Cutscenes vorstellen, in der wir eine zertrümmerte Freiheitsstatue vor einer Untergehenden Sonne sehen? Nein? Tja, Pech, denn genau das scheint heutzutage nämlich anzukommen. (Obwohl man anerkennend erwähnen muss das selbst dieses Thema langsam alt zu werden scheint.)

Ein weiteres Problem ist der stumme Hauptcharakter. Dieses Erzählmodell ist heutzutage selten anzutreffen, und auch ich muss zugeben kein großer Freund dieser Methodik zu sein. Es gibt Spiele in denen das Modell funktioniert und solche in denen es einfach das Gefühl erweckt, die Charaktere der Spielwelt interagieren mit einer leblosen Puppe, aber dazu vielleicht in einem anderen Beitrag mehr.

Der Silent Protagonist ist aus der Mode gekommen und wird von Gamern heute kritischer wahrgenommen als früher. Gordon Freeman plötzlich eine Stimme und eine Persönlichkeit zu verleihen würde mit alten Traditionen brechen und, was viel wichtiger ist, das Bild welches Spieler von ihm haben zerstören, das jeder Spieler sein eigenes Bild von ihm gezeichnet hat.

Wollte Valve jetzt ein Half Life 3 entwickeln stünde es vor einem enormen Dilemma:

„Wie produziert man ein Spiel, welches die Erwartungen der alteingesessenen Fans erfüllt und gleichzeitig die heutige Zielgruppe anspricht, im Klartext absatzfähig ist?“

Nun, zweiteres dürfte kein Problem sein. Egal was man letztendlich darin verpackt, sobald Half Life 3 außen steht dürfte die Medienaufmerksamkeit sowie der Absatz vorerst gesichert sein. Doch genau darin liegt das Problem: Valves „weiße Weste“.

Um die ganze Angelegenheit einmal enorm zu simplifizieren stellen wir zwei Szenarios auf die Beine: Ein Half Life 3, welches sich an den Vorgängern orientiert und den Stil dieser wahrt und eines, welche „neue Wege“ einschlägt. Im ersten Fall hinge die Beurteilung der Fans von der Qualität des Gameplays sowie der Story ab. Allerdings müsste sich Valve auf Kritik an der Erzählperspektive sowie den fehlenden Cutscenes gefasst machen. Vielleicht weniger von der Presse als von den Gamern, aber die Gamer sind es welche die Einnahmequelle ausmachen.

Im zweiten Szenario kann alles Mögliche passieren: Quick-Time Events die wir alle schon satt haben, actiongeladene Cutscenes als Schmankerl fürs Auge, ein sprechender Gordon Freeman. Auch hier hängt die Rezeption der Spieler stark von der Umsetzung ab, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kann ich aber sagen, dass Fans des „alten“ Half Life mit solchen Änderungen wenig anfangen können.

Selbstverständlich weiß Valve um diesen Umstand. Man darf einem Großkonzern wie diesem ruhig zutrauen ein wenig Durchblick zu haben und sich mit der Materie genauestens zu befassen. Und sie wissen ganz genau: Es ist alles perfekt so wie es ist.

Richtig, ich bezeichne eine Welt ohne Half Life 3 als perfekt, was im Hinblick auf politische Krisenherde in aller Welt unter Umständen ein wenig zynisch klingen mag, aber ihr versteht schon was ich meine.

Der Stand der Dinge

Halten wir uns doch einmal vor Augen was Stand der Dinge ist: Wir reden auch heute noch, selbst wenn es nur in Form eines kurzen Memes ist, von einem Spiel, welches vor zehn Jahren erschien. Sicher, es gab auch andere Spiele die von Presse sowie Spielerschaft positiv angenommen wurden, doch gibt es nur wenige welche auch heute noch bis zu einem gewissen Grad „aktuell“ sind.

„Ich bezeichne eine Welt ohne Half Life 3 als perfekt“

Man kann mit diesem Umstand zwei Dinge anstellen: Im Falle von Square Enix melkt man die Kuh so lange und hart, bis das Knochenmark die Melkmaschine verstopft. Man kann aber auch den Mythos für sich arbeiten lassen, denn ein guter Ruf ist ja bekanntlich unsichtbares Kapital. Und bevor Valve sich den Ruf versaut, Gamern auf die Füße tritt und letztlich nichts als ein Tal der Tränen zurücklässt macht es lieber das gleiche wie Merkel im Hinblick auf den NSA Abhörskandal – nämlich gar nichts. Auf diese Weise haben wir bei der Erinnerung an Half Life 2 keinen bitteren Nachgeschmack im Mund, wie es bei einigen anderen Spielereihen der Fall ist. (Ja, ich gucke euch an, Final Fantasy VII, X und XIII, sowie CoD und Halo, Assassins Creed und auch Kingdom Hearts. Genau euch.)

Im diesem Sinne: Praise Lord Gaben!

Kolumne: Praise Lord Gaben

2 Kommentare

  1. ManuPlayZZ sagt:

    Hallo zusammen,
    vor kurzem habe ich mir einen neuen Gaming PC gekauft doch leider habe ich noch kein gaming mousepad dazu 😉
    wenn ich nicht gewinne werde ich aufjedenfall auch ein Lioncast kaufen, da ich die marke sehr geil finde und auch schon eine maus davon habe.
    Ich weiß die gewinnwahrscheinlichkeit ist sehr klein aber versuchen kann man es ja trotzdem einmal.
    (Ich zocke sehr gerne desshab auch der gaming pc und das benötigte mousepad)
    danke im vorraus
    Lg Manu

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